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Die Führungskraft in der digitalen Welt

Führung ist auch im digitalen Zeitalter nicht überflüssig. Ganz im Gegenteil: Sie wird mehr gebraucht denn je. Die Führungsphilosophie muss sich jedoch an die neuen Verhältnisse anpassen. Was die „Führungskraft 4.0“ in Zukunft mitbringen und können muss, klären wir in diesem Artikel.

Arbeiten 4.0

Die Zukunft der Arbeit im Rahmen der Digitalisierung vieler Lebensbereiche wird unter dem Begriff „Arbeiten 4.0“ zusammengefasst. Klingt einfach, ist aber hochkompliziert. Das digitale Zeitalter sorgt für eine starke Beschleunigung. Arbeitnehmer müssen sich auf eine Arbeitswelt vorbereiten, die sich ständig verändert.

Im Zusammenhang mit der digitalen Transformation wird immer wieder die Frage laut: Ist Führung überhaupt noch gefragt? Die meisten Unternehmen werden sich in den kommenden Jahren zwar stark verändern. Doch eines wird gleich bleiben: Der Mensch als Mitarbeiter. Er hat weiterhin seine Bedürfnisse und Wünschen. Er wird weiterhin Halt und Orientierung brauchen, und zwar umso mehr, je mehr die Umwelt von Veränderungen geprägt ist.

Wer soll dem Mitarbeiter das Gefühl von Sicherheit geben, wenn im Unternehmen alles in einem stetigen Wandel ist? Das können nur die Führungskräfte sein. Deshalb ist es keine gewagte These, zu behaupten: Führung wird in Zukunft noch wichtiger werden. Gerade weil es im Unternehmenskontext sonst nichts mehr gibt, worauf Mitarbeiter bauen und vertrauen können.

Führungskräfte sind entscheidend für den Erfolg

In Schweizer Unternehmen ist die Zufriedenheit mit der Führung ungenügend. Gemäss der Studie „Schweiz führt?!“ (Information Factory 2014) haben 62 % der Befragten aufgrund ihres Chefs gekündigt. Interessant ist dabei die Wahrnehmungsdifferenz. Nur 16 % des Kaders meinen, dass ein Mitarbeitender schon einmal ihretwegen gekündigt hat. Die Selbst- und Fremdwahrnehmung ist nicht kongruent.

Es ist offensichtlich, dass Führung einen Einfluss auf den Unternehmenserfolg hat. Auswirkungen von Kündigungen sind: Aufwändige Nachbesetzung von Stellen, Arbeit bleibt liegen, Wachstum wird gebremst. Führung hat einen Einfluss auf den Arbeitsalltag. So sind 78 % der Befragten überzeugt, dass ihr Vorgesetzter einen hohen Einfluss auf ihre Jobzufriedenheit hat.

Gute Führung, Jobzufriedenheit und Unternehmenserfolg haben also einen direkten Zusammenhang. Die Unternehmensleitung und das HR sind deshalb in der Pflicht, die Führungskräfte in die Lage zu versetzen, ihre Führungsrolle aktiv wahrzunehmen und positive Wirkung zu erzielen. Ein Coaching kann helfen, den individuellen Führungsstil nicht nur zu kennen, sondern auch in der Wirksamkeit zu reflektieren.

Nie war Führung so ausschlaggebend für Glück und Erfolg wie im digitalen Zeitalter. Weil angesichts der grossen Unsicherheit darüber, was die digitalen Errungenschaften bei uns bewirken, von den Führungskräften vor allem eines erwartet wird: Orientierung, Halt und Sicherheit zu geben.

Führung muss sich ändern

Führung ist also weiterhin sehr wichtig. Das heisst jedoch nicht, dass sich Führung nicht verändern muss. Die verschiedenen Entwicklungen in Unternehmen zeichnen sich unverkennbar ab und haben grosse Auswirkungen auf die Mitarbeiterführung:

1. Abteilungs- und Bereichsgrenzen werden immer durchlässiger. Die relevanten Leistungen werden zunehmend von bereichsübergreifenden Teams erbracht.
Implikation für die Führungskraft: Sie haben immer seltener uneingeschränkten Zugriff auf ihre Mitarbeiter und deren Arbeit. Sie müssen ihren Mitarbeiter in Sachen Loyalität, Integrität und Kompetenzen vertrauen. Und Führungskräfte müssen vermehrt mit Kollegen in anderen Abteilungen kooperieren und diese Zusammenarbeit koordinieren.

2. Die für die Kunden erbrachten Lösungen setzten immer mehr spezifisches Wissen voraus, welches Führungskräfte selbst nicht zwingend besitzen.
Implikation für Führungskräfte: Sie haben immer seltener einen Wissens- und Erfahrungsvorsprung vor ihren Mitarbeitern. Vielmehr sind sie auf die Kompetenzen ihrer Mitarbeiter angewiesen und müssen Spezialisten erfolgreich in ihr Team integrieren.

3. Planungen und Strategien der Unternehmen haben immer kürzere Gültigkeitsdauer.
Implikation für Führungskräfte: Sie können die Zusammenarbeit immer weniger langfristig planen. Stattdessen müssen sie im Dialog mit ihren Mitarbeitern die Arbeit stetig neu justieren.

4. Führungskräfte und ihre Teams stehen immer häufiger vor neuen, anspruchsvollen Herausforderungen, für welche sie noch keine Lösung haben.
Implikation für Führungskräfte: Sie können ihre Mitarbeiter immer weniger per Anweisung führen. Es zeigt sich im Prozess, was zielführend und richtig ist.

Wie aber ist erfolgreiche Führung möglich, wenn Teamgrenzen immer durchlässiger werden, die Planung kurzfristiger und die Mitarbeiter gleichzeitig immer selbständiger werden sollten? Braucht es im digitalen Zeitalter, auch digitale Lösungen im Führungsbereich?

Beziehungsmanagement steht stärker im Vordergrund

Führung von Menschen ist immer Beziehungsarbeit. Je stärker wir digital auseinanderdriften, umso wichtiger wird die Leitungsperson, die alle Fäden in der Hand hält, für Orientierung sorgt und als Person real „greifbar“ ist. Die Führungskräfte müssen sich mehr denn je als Beziehungsmanager verstehen. Die Kernaufgabe besteht darin, das Beziehungsnetzwerk im Unternehmen zu gestalten, und zwar so, dass die Mitarbeiter effektiv zusammenarbeiten können.

Die Führungsperson ist dafür verantwortlich, dass die Zusammenarbeit untereinander möglichst gut funktioniert. Das Wissen der Spezialisten muss beispielsweise allen zur Verfügung stehen. Aber auch sonst gilt es, die Zusammenarbeit untereinander zu fördern und eine Lernkultur zu schaffen. Zudem arbeiten Unternehmen oftmals mit externen Partnern zusammen, weil sie nicht alle Aufgaben selber meistern können. Diese gilt es in den gesamten Prozess zu integrieren und alle für das gemeinsame Ziel zu motivieren.

Inspiration, Innovation und Motivation können nur durch Persönlichkeit und persönliche Interaktion entstehen. Bis heute erreicht man Menschen am ehesten als Mensch – und mit emotionalen Botschaften, und Visionen. Emotional erreichbar sind Menschen am ehesten, wenn vorher eine Vertrauensgrundlage geschaffen wurde. Diese entsteht aufgrund der Arbeitsweise unserer Gehirne im Wesentlichen auf analogem Wege. Das heisst: Wir brauchen Menschen, um Vertrauen aufzubauen. Man wird Beziehungen nie wegdigitalisieren können.

Entscheidende Faktoren für eine gute Führungskraft

Um ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, braucht es eine transparente Kommunikation mit den Mitarbeitern. Daneben ist es wichtig, den Anliegen der Mitarbeiter Prioritäten einzuräumen und ein Gefühl der Sicherheit aufzubauen. Führungskräfte, die nicht in der Lage sind offen zu kommunizieren, scheitern.

Wie bereits erwähnt gilt es auch seine menschliche Seite zu zeigen. Dazu gehört, als Chef zu seinen Schwächen zu stehen. Damit wird man glaubwürdiger und authentischer in der Fremdwahrnehmung. Zudem zeigt es den Mitarbeitern, dass man Fehler machen darf und das schafft eine angenehme Lernkultur. Gleichzeitig schlüpft man in die Vorbildrolle und lebt offene Kommunikation vor. Das hilft wiederum beim Vertrauensaufbau.

Das grundlegende Geheimnis der Kunst des Managens besteht im Delegieren.

Cyril Northcote Parkinson

Viele Führungskräfte fühlen sich für alles verantwortlich. Deshalb ist das Delegieren ein entscheidendes Führungsinstrument. Gerade im digitalen Zeitalter, wo es immer mehr spezifisches Wissen braucht, kann man als Führungskraft nicht alle Aufgaben alleine erledigen. Für die Delegation von Aufgaben braucht es wiederum Vertrauen in die Person, die die Aufgabe übernehmen soll. Vertrauen ist entsprechend immer beidseitig.

Ebenfalls sehr wichtig ist die Ungleichbehandlung von Mitarbeitern. Ein Mitarbeiter braucht vielleicht mehr Freiheit, der andere braucht viel Anleitung und wieder ein anderer intensive Diskussionen. Man sollte als Chef gar nicht erst versuchen, alle gleichzubehandeln. Die Kunst der Führung ist die situative Führung, d.h. im Kontext der Aufgabe und der individuellen Kompetenz und Eigenschaften der Person zu entscheiden, wie viel Führung, Förderung oder Gestaltungs- und Entscheidungsfreiheit angemessen ist.

Der perfekte Chef sollte also einerseits mit Leidenschaft und Disziplin seine Mitarbeiter für die gemeinsamen Ziele motivieren und dabei ein vertrauensvolles Verhältnis schaffen. Klingt einfach, ist in der Realität jedoch oft schwer umzusetzen. Denn Vertrauen kann nicht eingefordert, es muss erarbeitet werden. Sicher ist jedoch: In der digitalen Welt ist die Führung entscheidend und die ist meist analog und nicht digital.

Quellen:

B. Liebermeister (2017). Führungskraft 4.0. In Managerseminare – Das Weiterbildungsmagazin. Heft 231.
H. Wyssling (2017). Die Kunst der Führung im digitalen Zeitalter

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